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Baumlang und Felsenfest
Ein einsamer Felsen, an dem das Leben gar zu schnell vorüberzieht,
bekommt Gesellschaft: eine Kiefer beginnt auf ihm zu wachsen. Die beiden
entwickeln liebevolle Gefühle füreinander und können sich am Brückenschlag
der Welten erfreuen, denn der Felsen hat einen völlig anderen
Zeitbegriff als selbst ein Baum. Doch eines Nachts geschieht ein Unglück,
und die Geschichte nimmt eine dramatische Wendung.
Das Leben, die Liebe und der Tod (und die Wiedergeburt) - große Themen
in einem kleinen Buch, große Themen für ein kleines Publikum. Dank der
schlicht-schönen Sprache und der überaus gelungenen, liebevollen
Illustrationen der slowenischen Künstlerin Maja Pogacnik bleibt die
Geschichte aber stets kindgerecht; auch kleine Menschen interessieren
sich für große Gedanken. Zu diesen regt dieses anspruchsvolle, dabei
aber zu Herzen gehende Kinderbuch (ab 5) sicherlich an. (Gabriela
Heidegger)
Wie es weitergeht, steht im
Buch ... um Euro 6,90 zu beziehen bei: kulturkreiskirchstetten, kulturkk@ycom.at
Helmuth Santler/Maja Pogacnik: Baumlang und Felsenfest. edition kkk,
kulturkreiskirchstetten 2002.
Copyright © bei den Autoren.
Copyright © bei edition kkk,
kulturkreiskirchstetten
Broschiert, durchgehend farbig illustriert,
ca. A4-Format, 16 S.
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| Leseprobe:
Baumlang und Felsenfest
Eine Liebesgeschichte von Helmuth Santler, illustriert von Maja Pogacnik
Auf einem Hügel lag einst ein großer Felsen. Er hatte, für einen Felsen, einen sehr einfachen Namen, er hieß Glindoreanison Suskjanewick; aber Glin genügte ihm auch.
Glin konnte sich von seinem Platz aus nach allen Seiten umschauen. Aber der schöne Rundblick bedrückte ihn nur, denn er konnte genau sehen, dass es niemanden zu sehen gab.
Der Felsen fühlte sich einsam. Er sehnte sich nach Gesellschaft. Weit und breit gab es keine anderen Felsen oder wenigstens Bäume, um sich einmal so richtig auszusprechen. Er versuchte es sogar mit den Vögeln, die auf ihm landeten. Er sagte: "Einenschönen guten Tag, lieber Vogel." Aber für die Vögel hörte sich das dann etwa so an:"Eeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnneeeeeeeeeeeeennnnnnnnnnn schschschschööööööööööööö ...". Länger als bis schö war noch keiner geblieben.
Felsen leben eben unendlich langsam. Glin brauchte den ganzen Frühling, um richtig munter zu werden. Im Sommer begrüßte er einige Vögel. Der Herbst verging rasch und gemütlich. Und im Winter deckte er sich mit Schnee zu und schlief ein Weilchen.
Glins Kopf war von einem dicken Teppich aus Erde und Moos bedeckt. Eines Tages landete darauf ein Vogel, der im Schnabel einen Kiefernzapfen trug. Genüsslich pickte er sich die wohlschmeckenden Kerne heraus und flog wieder davon.
Einer der Kerne aber war aus dem Zapfen gefallen und hatte sich im weichen Moos verborgen.
Glin hatte wie immer den Vogel kaum bemerkt, so rasch war der wieder verschwunden. Doch kurze Zeit später meinte er etwas an seinem Kopf zu spüren, dass sich wie ein sanftes Streicheln anfühlte.
Er fragte: "Wer sitzt da auf meinem Kopf?"
"Ich bin eine junge Kiefer", antwortete ein zartes Stimmchen. "Ich heiße Nadila."
"Und womit streichelst du mich?", wollte Glin wissen.
"Mit meinen Wurzeln. Ich wachse auf dir."
Der Felsen war zufrieden und legte sich zur Ruhe.
In den nächsten Tagen lernten die beiden einander besser kennen. Glin war glücklich, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihm stundenlang zuhörte. Und Nadila freute sich über ihren Platz, von dem aus sie alles überblickte, und über die Geschichten, die der Felsen zu erzählen wusste.
Nach drei Felsenwochen war die Kiefer zu einem stattlichen Baum herangewachsen.
"Glin", sprach sie zu dem Felsen, "ich bin jetzt ein großer Baum. Ich mag dich von Herzen gern und auch den Platz, auf dem ich stehe. Aber er wird mir zu eng. Es gibt hier zu wenig Erde für mich."
Glin antwortete ihr: "Rund um mich ist genug Erde für einen ganzen Wald. Umarme mich mit deinen Wurzeln, bis du sie erreichst."
Und so streckte Nadila ihre Wurzeln aus und umarmte den Felsen. Sie erreichte die Erde und wuchs weiter. Nach einiger Zeit war sie eine mächtige, große Kiefer geworden.
Die Tage und Nächte vergingen, doch nie wurden die beiden einander überdrüssig. Glin erzählte von den Bergen und Tälern und Flüssen, und Nadila hörte ihm andächtig zu. Und Nadila sprach über all jene Dinge, die zu rasch für den Felsen waren: Über die Tiere des Landes, die Vögel, die in ihren Zweigen ihr Nest bauten, und die Wolken, die über den Himmel zogen.
Manchmal kitzelte Nadila Glin mit ihren Wurzeln. Dann schüttelte sich der große Felsen und schaukelte Nadila hin und her. Die Vögel in der Kiefer wurden aus ihren Nestern geworfen und flatterten laut zeternd herum. "Um Himmels willen", stöhnten sie, "ein Baum, der in einen Felsen verliebt ist! Die Welt ist verrückt." Kopfschüttelnd kehrten sie in ihre Nester zurück. Aber insgeheim waren sie froh, in einem glücklichen Baum auf einem glücklichen Felsen zu leben, und konnten den beiden nicht böse sein.
Doch eines Nachts geschah ein Unglück. Es war eine Nacht von so großer Kälte, wie sie nicht einmal Glin je erlebt hatte. Keine Decke aus Schnee wärmte ihn, und der Frost zog und zerrte mit furchtbaren Kräften an dem Felsen. Und zuletzt wurde Glin in der Mitte auseinander gesprengt; ein haarfeiner Riss durchzog ihn vom Scheitel bis zur Sohle.
"Was ist passiert?", rief Nadila erschrocken aus.
Wie es weitergeht, steht im Buch ... um Euro 6,90 zu beziehen bei: KulturKreisKirchstetten,
kulturkk@ycom.at
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